Propriozeptives Training/ Sturzprophylaxe

Was ist das?

Propriozeptives Training bedeutet die Sensomotorik zu verbessern, also die Fähigkeit äußere Reize mit unseren Körperrezeptoren wahrzunehmen und dementsprechend zu handeln.

Stell dir folgende Situation vor: Du joggst oder spazierst im Wald und plötzlich stolperst du über eine Wurzel. Du kommst ins Schwanken, aber kannst den Sturz noch rechtzeitig mit den Händen abfangen oder im Besten Fall strauchelst du kurz, findest dann aber wieder dein Gleichgewicht zurück, ohne zu Stürzen.Glück gehabt würden wir jetzt meinen. Das hat aber tatsächlich recht wenig mit Glück, sondern mit deiner schnellen Reaktionsfähigkeit oder fachsprachlich gesagt mit dem propriozeptiven System zu tun.

Es erlaubt uns Hindernissen rechtzeitig auszuweichen, Stürze abzufedern und auf wackeligem Untergrund zu laufen.

Sobald wir uns durch einen Raum bewegen nehmen wir mit unseren Sinnesorganen und unseren Körperrezeptoren, den Propriorezeptoren, äußere Reize wahr.

Diese Informationen und unser motorisches Verhalten stehen in direktem Zusammenhang. Propriozeptives Training setzt genau hier an: Darunter versteht man eine Methode zur Schulung unserer Tiefenwahrnehmung mithilfe von Balance- und Konzentrationsübungen, sowie Koordinationsübungen.

Was ist der Unterschied zwischen Sensomotorik und Propriozeption?

Sensomotorik und Propriozeption werden häufig miteinander in einen Topf geschmissen, dabei ist das Propriozeptive Training ein spezieller Teilbereich aus dem Sensomotorik-Training. Die Sensomotorik beschreibt ganz allgemein die Kontrolle von Bewegungen im Zusammenspiel mit Sinnesrückmeldungen. Nimmst du äußere Reize nicht über die großen Rezeptoren wie etwa die Augen oder Ohren wahr, sondern über kleine Körperrezeptoren, spricht man von Propriozeption. Diese Körperrezeptoren befinden sich in:

  • Muskeln

  • Gelenken

  • Sehnen

  • Bändern

  • Bindegewebe

Eine gute propriozeptive Wahrnehmung, auch Tiefensensibilität genannt, ist die Voraussetzung, dass du deinen Körper ganz automatisch, also unterbewusst, steuern kannst. Du kannst auf äußere Veränderungen blitzschnell reagieren: Stolperst du, hilft dir dein propriozeptives System dabei, dein Gleichgewicht wiederzufinden und einen Sturz zu verhindern.

Mit propriozeptivem Training kannst du diese Tiefenwahrnehmung schulen. Dein Körper lernt, Reize schneller aufzunehmen und zu verarbeiten.

Was bringt propriozeptives Training?

Propriozeptives Training dient der Prävention, der Rehabilitation nach Verletzungen und der allgemeinen Leistungssteigerung.

Eine gute propriozeptive Wahrnehmung gibt dir Sicherheit und dient somit als Präventionsmaßnahme und Sturzprophylaxe: Du hast ein ausgeprägtes Gleichgewicht, verfügst über ausreichend Stabilität und kannst schnell auf vermeintliche Gefahren reagieren.

Die Schulung des propriozeptiven Systems ist ebenso wichtig, wenn es bereits zu einer Verletzung gekommen ist. Unter Sportlern sind Bänderrisse oder Schäden an der Wirbelsäule nicht selten. Gezielte Übungen können die Schwachstellen kompensieren, indem beispielsweise die umgebene Muskulatur gestärkt wird. Auch hilft das Training dir, deine ursprüngliche Beweglichkeit und Belastbarkeit wiederherzustellen.

Unter Sportlern ist propriozeptives Training nicht nur als Präventions- und Rehabilitationsmaßnahme beliebt, sondern auch zur Leistungssteigerung. Die Methode unterstützt dich dabei, deinen Körper ökonomisch und geschmeidig zu bewegen. Du kannst deine Tiefendeine Energiereserven effizient nutzen und schneller Kraft abrufen. Läufer erzielen bessere Zeiten, Fußballer sind flinker am Ball und Kampfsportlern gelingt der entscheidende Schlag.

Wer regelmäßig propriozeptive Übungen durchführt, kann zusammenfassend von diesen Vorteilen profitieren:

  • Verbesserung der Koordination

  • Verbesserung der Stabilität (z. B. von Gelenken und Wirbelsäule)

  • Verbesserung des Gleichgewichts

  • Kräftigung der Tiefenmuskulatur

  • Steigerung der Reaktionsfähigkeit

  • Reduzierung von Haltungsschäden und Verspannungen

  • Verbesserung der Trittsicherheit

  • Reduzierung des Sturz- und Verletzungsrisikos

  • Förderung der Beweglichkeit

  • Beschleunigung der Heilung nach einer Verletzung


Für wen eignet sich propriozeptives Training?

Propriozeptives Training ist für jeden etwas – insbesondere dann, wenn du die Gefahr von Verletzungen im Alltag oder beim Sport auf ein Minimum reduzieren möchtest. Gerade im Alter steigt die Sturzgefahr signifikant.Wer rechtzeitig gegen steuert, kann im besten Fall länger mobil und selbstständig sein.

Auch im Zuge der Rehabilitation nach einer Verletzung ist das propriozeptive Training eine gute Methode, um zügig wieder auf die Beine zu kommen.

Für ambitionierte Sportler, die ihre Leistung steigern möchten, ist das Wahrnehmungstraining geradezu Pflicht. Überall dort, wo eine schnelle Reaktionsfähigkeit gefordert ist und viel Körperkontakt besteht – zum Beispiel im Fußball oder Kampfsport – kann propriozeptives Training den entscheidenden Unterschied machen. Wenn Profifußballern beispielsweise selbst in brenzligen Situationen noch technisch einwandfreie Schüsse gelingen, verdanken sie das meist der guten Vorarbeit.

 

Quellen:

https://www.foodspring.de/magazine/propriozeptives-training